Quelle: MBZ 09/2019

Strukturierte Fortbildung Applied Kinesiology: Die Kunst, Probleme des Körpers zu verstehen

Nach Fortbildungen in Homöopathie, zahnärztlicher Hypnose und einigen Grundkursen der Akupunktur für Zahnärzte am Philipp-Pfaff-Institut, später bei den Meistern der Akupunktur DÄGfA und ostasiatischen Medizin DÄGfA, blieb immer noch eine Frage offen: Wie erkenne ich, was dem Patienten genau in diesem Augenblick guttut? Mit Akupunktur das Kiefergelenk entlasten, den HWSBereich entspannen, ist kein Problem. Aber warum kommen die Probleme wieder? Warum presst und knirscht der Patient weiter? Warum ist ein Zahn, obwohl röntgenologisch unauffällig, so schmerzhaft für den Patienten?

Ich war unzufrieden mit dem Erfolg meiner Behandlung, da all mein Wissen, richtig angewandt, doch nicht immer zum Erfolg führte. Also fehlte ein Puzzleteil. Aber welches? Beim Stöbern im Fortbildungskatalog vom Pfaff-Institut stieß ich auf die Beschreibung der Strukturierten Fortbildung in Applied Kinesiology (AK). Ich hatte im Vorfeld schon des Öfteren darüber etwas gehört, was meine Neugierde geweckt hatte, es geriet jedoch immer wieder in Vergessenheit. Aber die Schlüsselwörter Materialtestung, CMD und beherdete Zähne ließen mich aufhorchen. Drei Kurse hintereinander sind eigentlich kein Problem, aber was wäre, wenn es mir nicht gefallen würde, wenn es nicht das Puzzlestück wäre, das ich suchte?

Muskeltests und Statik

Am ersten Fortbildungstag erläuterte der Dozent Dr. Ulrich Angermaier die Entwicklungsgeschichte der AK, die in Österreich übrigens Funktionelle Myodiagnostik (FMD) heißt. Wir erlernten erst einmal das Handwerkszeug, die Muskeltests. Danach prüften wir unsere Statik. Und das war ganz einfach. Das beste Beispiel brachte ein Kollege mit, der einen Fuß in Gips gelegt hatte. Seine Statik stimmte nicht, da er sich in Schonhaltung befand. Es war beeindruckend, wie die Muskulatur darauf reagierte. Wir testeten gegenseitig unsere Kiefergelenke, Kiefermuskulatur und die Bisslage. Bei keinem von uns stimmte sie wirklich. Wir untersuchten uns nach orthopädischen Gesichtspunkten. Ein Kursteilnehmer, ein Orthopäde aus Wien, meinte, wenn doch die Professoren an den Universitäten den angehenden Orthopäden die Untersuchungstechnik so anschaulich beibringen würden, es wäre ihm eine Freude. Er war zutiefst von dem Fachwissen von Dr. Angermaier, – der Zahnarzt ist und kein Orthopäde –, angetan.

Materialtestung und Herdsuche

Der zweite Kursblock wurde von DDr. Margit Riedl-Hohenberger aus Innsbruck geleitet. Sie ist eine Expertin in Materialtestungen und Herdsuche. Eine Palladiumbelastung wurde bei mir getestet – weder Gold, Amalgame noch andere Schwermetalle störten in irgendeiner Weise meinen Körper. In der folgenden Woche ging ich darauf auf die Suche und stellte fest, dass eines meiner einflächigen Goldinlays auf den Siebenern eine goldreduzierte Legierung mit Palladiumanteil war. Interessanterweise das, was ständig flüchtig war, also immer herausfiel.

DDr. Riedl-Hohenberger erklärte uns, wie wir diese Materialien am Patienten (sowohl bei Neuversorgungen als auch bei inkorporierten Materialien) testen könnten. Einige Kursteilnehmer hatten Knieprobleme, Schulter- und Nackenschmerzen. Bei der Suche nach den Ursachen fanden sich oft endodontisch behandelte Zähne. Diese wurden mit einem vorher verträglich getesteten Anästhetikum angespritzt und damit vorübergehend ausgeschaltet. Und plötzlich verschwanden für genau diesen Zeitraum die Schmerzen in den „verbundenen“ Körperstrukturen.

Ganzheitliche Orthopädie

Am letzten Kurstag wurde Dr. Angermaier von Martin Igelhaut, einem Podoätiologen, unterstützt. Durch das Verständnis des propriozeptiven Systems, das deutlich erklärt wurde, war schnell klar, dass viele orthopädische Einlagen Probleme eher verstärken anstatt sie zu beheben.

Am Ende des Kurses sollte die Frage geklärt werden, wer von uns Kursteilnehmern ein myogenes oder lymphatisches Problem hat und eine Schiene benötigt, wer einen neurologischen Zahn hat, also einen Zahn, der nicht genau in der richtigen Okklusion steht und somit Schmerzen „ohne erkennbare Ursache“ verursacht, wer ein Störfeld hat und somit eventuell an chirurgische Sanierung denken muss oder wer ein Kiefergelenksproblem hat, das aus der Statik heraus resultiert, also eine temporäre Schuheinlage benötigt. So konnte jeder von uns für sich selbst etwas mit nach Hause nehmen. Und gerade, wenn man als selbst Betroffener eine Verbesserung an sich bemerkt, ist das die beste Voraussetzung für die Weitergabe dieses Wissens an unsere Patienten.

Die Autorin Dr. Alke Schlottag, Zahnärztin aus Köpenick, mit Referent Dr. Ulrich Angermaier aus Roth
Die Autorin Dr. Alke Schlottag, Zahnärztin aus Köpenick, mit Referent Dr. Ulrich Angermaier aus Roth

Temporäre Schuheinlage

Sie wollen jetzt sicher noch wissen, was bei mir herauskam, oder? Ich dachte immer, ich bräuchte eine Schiene. Aber eigentlich habe ich ein instabiles Iliosakralgelenk rechts. Daher habe ich eine Spannung in der Rückenmuskulatur und presse sehr stark. Kaum hatte ich die richtigen Verstärkungen unter meinem Fuß, merkte ich sofort, dass es sich viel entspannter und leichter anfühlte. Ich benötigte eine Einlage für sechs Wochen.

Jedem Kollegen und jeder Kollegin, die offen sind für Neues und denen ihre Patienten wirklich am Herzen liegen, kann ich diesen Kurs am Philipp-Pfaff-Institut von ganzem Herzen empfehlen. Das grundlegende Wissen der Dozenten ist fantastisch und sie geben es mit viel Engagement an uns weiter. Dafür ein großes Dankeschön. Dies gilt auch unserem „Pfaff“, das uns immer wieder so schöne Veranstaltungen nach Berlin holt.

Dr. Alke Schlottag

Strukturierte Fortbildung: Applied Kinesiology für Zahnärzte

Moderator: Dr. med. dent. Ulrich Angermaier
Kursbeginn: Fr 15.11.2019, 09:00-18:00 Uhr und weitere 5 Termine
Zielgruppe: Zahnärzte
Kursgebühr: 1.690,- €, ermäßigt 1.525 € bei Anmeldung bis zum 18.10.2019 und Zahlung bis zum 01.11.2019
Kursnummer: 1030.5
Punkte: 57+15 (Hands-on-Kurs)
Veranstaltungsort: Berlin
Flyer 1030.5

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