Quelle: MBZ 01/2020

Philipp-Pfaff-Preis für Dr. Stefan Herder

Der Zahnarzt erhielt den Ehrenpreis für die vor dreißig Jahren revolutionäre Implementierung der Individualprophylaxe, die er als wissenschaftlicher Mitarbeiter von Prof. Jean-François Roulet gemeinsam mit ihm sowie den Mitstreiterinnen und Mitstreitern Dr. Susanne Fath, Zahnärztin Ilona Kronfeld-Möhring und Zahnarzt Georg Scherpf eingeführt hatte. Er wollte gemeinsam mit Roulet nach Schweizer Vorbild auch in Berlin eine systematische Prophylaxe umsetzen, um der aus seiner Sicht bestürzend großen Anzahl von kariösen Zähnen Einhalt zu gebieten und die Mundgesundheit der Bevölkerung zu verbessern. Herder und seine Mitstreiter bekamen einigen Gegenwind zu spüren: „Die Widerstände, die auch innerhalb der Zahnärzteschaft zu überwinden waren, waren vielfältig und heftig. In einem Artikel aus dieser Zeit wird in diesem Zusammenhang von ‚Dentalterroristen‘ gesprochen“, berichtete Heegewaldt in seiner Laudatio. Damals spielten sowohl wirtschaftliche Bedenken als auch die Professionalisierung der Zahnarzthelferinnen, wie der Beruf der ZFA 1989 noch hieß, eine wichtige Rolle. Heute gehöre die Individualprophylaxe längst zum allgemeinen Sprachgebrauch und zum Angebot jeder Zahnarztpraxis. „Der Weg bis hierhin war, wenn wir die Anfangsjahre betrachten, sicher nicht immer leicht. Es ist aber umso wertvoller, dass Sie, lieber Herr Kollege Herder, den ersten Schritt auf diesem Weg gegangen sind“, so Heegewaldt. Herder habe mit seinem Engagement wesentlich zum Paradigmenwechsel von der restaurativen zur präventiven Zahnheilkunde beigetragen. „Ich bin platt, aber auch stolz über diese Auszeichnung“, sagte der sichtlich erfreute Preisträger in seiner Dankesrede. „Ich bin froh und bedanke mich bei meinen Mitstreitern, dass ich für den Berufsstand etwas von bleibendem Wert schaffen konnte.“ Herder erwähnte in diesem Zusammenhang auch den damals amtierenden Kammerpräsidenten Dr. Dr. Karl Löchte sowie die Mitglieder der damaligen Delegiertenversammlung, die das Projekt tatkräftig unterstützt hatten. Dieser Rückhalt sei dringend nötig gewesen, herrschte bei vielen Kollegen damals doch die Auffassung „Schlag die Prophylaxe tot, nur die Karies bringt uns Brot!“ „Ich bin stolz, sagen zu können, dass die Prophylaxe in Berlin begonnen hat“, betonte Kammerpräsident Heegewaldt bei der feierlichen Überreichung des Preises an seinen Kollegen.

Neuer Name für den Ehrenpreis der ZÄK Berlin

Heegewaldt informierte über die unterschiedlichen Beweggründe für die Umbenennung des Ehrenpreises der ZÄK Berlin. 2001 hatte sich die ZÄK Berlin entschieden, die Medaille nach dem Berliner Hochschullehrer Ewald Harndt zu benennen. Harndt wurde vom damaligen Kammervorstand und der damaligen Delegiertenversammlung als Namensgeber ausgewählt, weil er in unvergleichbarer Art und Weise im Berlin der Mauerzeit nicht nur die Zahnheilkunde wissenschaftlich geleitet, sondern als Rektor auch die Freie Universität Berlin in den bewegten Jahren 1967 bis 1969 geführt hat. „Nach bisherigen und neuesten Erkenntnissen durch die aktuelle Studie zur Rolle der Zahnärzteschaft in der NS-Zeit, beauftragt von DGZMK, BZAK und KZBV, hat Ewald Harndt wie viele andere auch in der Zeit von 1933 bis 1945 Wege gesucht, seiner Berufung weiter nachgehen zu können. Dabei hat er, wie Tausende andere auch, nicht den Weg des Widerstands, sondern der Mitläuferschaft gewählt. Das heißt, er hat sich dem Regime nicht entgegengestellt, es aber auch nicht aktiv gefördert oder sich gar an Verbrechen beteiligt.“ Heegewaldt betonte, wir Zahnärzte sollten dankbar dafür sein, dass wir heute in Freiheit und ohne Repressionen unserer Berufung zum Wohle unserer Patienten nachgehen können. „Unsere Verpflichtung heute ist, allen radikalen Tendenzen klar entgegenzutreten. Wir sollten als Zivilgesellschaft Freiheit, Demokratie und Frieden immer verteidigen.“

Unabhängig von der benannten Studie hat der Vorstand der ZÄK Berlin bereits im Frühjahr 2019 entschieden, 30 Jahre nach dem Mauerfall, im 30. Jahr der organisierten Individualprophylaxe und gut 25 Jahre, nachdem unser Fortbildungsinstitut gemeinsam mit der Landeszahnärztekammer Brandenburg getragen wird, den Ehrenpreis der Zahnärztekammer Berlin nach einem bundesweit bekannten Vorbild zu benennen: Philipp Pfaff. Der Berliner Mediziner Philipp Pfaff (1713 – 1766) widmete sich der zu seiner Zeit völlig unterentwickelten und verrufenen Zahnmedizin und veröffentlichte das erste Lehrbuch über Zahnmedizin in deutscher Sprache: „Abhandlung von den Zähnen des menschlichen Körpers und deren Krankheiten“. Damit legte er Mitte des 18. Jahrhunderts den Grundstein zu einer eigenständigen Zahnheilkunde in Deutschland und gilt als Vordenker der modernen Zahnheilkunde.

Kornelia Kostetzko

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