Quelle: MBZ 10/2019

Jubiläumskurs für Kieferorthopäden: Klasse-III-Behandlungsstrategien

Die Referenten wählten zum Jubiläum das sehr komplexe Thema: „Klasse-III-Behandlungsstrategien“. Die richtige Behandlung von Patienten mit einer Klasse-III-Problematik stellt auch an den erfahrenen Kieferorthopäden hohe Anforderungen. Einer fundierten Diagnostik folgt ein mitunter hochkomplexes Gesamtkonzept.

Am ersten März-Wochenende 2019 versammelte sich eine Schar interessierter Kollegen zum kieferorthopädischen Fortbildungskurs. Wie all die Jahre zuvor wurden beide Referenten sehr persönlich vom langjährigen ehemaligen Präsidenten der Zahnärztekammer Berlin und Fachzahnarzt für Kieferorthopädie, Dr. Wolfgang Schmiedel, begrüßt. Die Veranstaltung wurde durch die Mitarbeiter des Philipp-Pfaff-Instituts sehr zuvorkommend und souverän betreut.

Die Referenten vermittelten in ihrem zweitägigen Intensivkurs eine enorme Menge an Informationen: Der rote Faden führte von der Diagnostik über die Planung zur Therapie. Je nachdem, ob eine dentoalveoläre oder eine basale Abweichung vorliegt, beleuchteten die vorgestellten Kasuistiken zur Früh-, Haupt- und Spätbehandlung ausgiebig die Problematik der Klasse III.

 

Die Autorin, Dr. Bernadett Pylla (Mitte), mit den Referenten, Dr. Karin Habersack und Prof. dr. Asbjörn Hasund. Foto: Dr. K. Habersack

Bei einer skelettalen Abweichung wird ermittelt, ob die Ursache in der Maxilla, in der Mandibula oder bimaxillär zu finden ist. Dazu ist eine kephalometrische Analyse unverzichtbar. Eine individualisierte Kephalometrie wie die Hasund-Analyse gibt hier Aufschluss. Ebenso gibt sie Antwort zu der wichtigsten Frage bei der Klasse III, nach dem noch zu erwartenden Restwachstum. Eine Wachstumsprognose, basierend auf strukturellen und morphologischen Merkmalen, ist für die Mandibula möglich. Von Interesse ist, dass das kondyläre Wachstum länger als das Körperwachstum andauert. Es kann ganz individuell zwischen wenigen Monaten und mehreren Jahren liegen. Die Familienanamnese lässt Rückschlüsse auf die Heredität und damit auch auf das Wachstumspotenzial zu. Überlange Behandlungen, bei denen zunächst eine dentale Kompensation erfolgt, die dann im späteren Verlauf doch wieder bei gegebener Indikation vor gnathisch-chirurgischer Umstellungsosteotomie dekompensiert werden muss, sollten vermieden werden. Kriterien, die nach erfolgten begrenzten therapeutischen Maßnahmen eine Behandlungspause unter weiterer Überwachung rechtfertigen, wurden definiert. Das Goethe-Zitat „In der Begrenzung zeigt sich erst der Meister“ (aus Das Sonett, 1800) ist gerade für die Klasse III von großer Bedeutung.

Der Kurs war klar strukturiert und ist anhand des ausführlichen Skriptums gut rekapitulierbar. Professor Hasund legte jedem Teilnehmer ans Herz, den Kursinhalt innerhalb von zwei Wochen nochmals durchzuarbeiten, um maximalen Nutzen aus der Fortbildung zu ziehen.

Als Kieferorthopädin mit elfjähriger Berufserfahrung konnte ich aus dem Kurs vieles für die tägliche Praxis mitnehmen und direkt am Patienten umsetzen. Der Kurs kann insbesondere allen empfohlen werden, die Patienten mit Klasse III behandeln, da für jeden Erfahrungsstand wertvolle Informationen für den Alltag in der Praxis gegeben werden.

Die Referenten bevorzugen stets eine überschaubare Teilnehmergruppe, um den praktischen Austausch zwischen den Referenten und den Teilnehmern zu fördern sowie eine individuelle Betreuung zu gewährleisten. Durch den großen Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad beider Referenten fand sich sehr schnell eine Gruppe von Kollegen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen. Am 1. und 2. November 2019 wird daher ein Zusatzkurs „Klasse III“ angeboten, um auch den Kollegen auf der Warteliste Gelegenheit zur Teilnahme zu geben. Und im kommenden Jahr, am 6. und 7. März 2020, lautet das Kursthema dann konsequenterweise „Klasse II – was läuft, was nicht“. Auch darauf freue ich mich schon.

Dr. Bernadett Pylla

2. Zusatztermin: Klasse III Behandlungsstrategien

Referenten: Dr. med. dent. Karin HabersackProf. dr. odont. Asbjørn Hasund
Termine: Fr 14.02.2020, 09:00-17:00 Uhr • Sa 15.02.2020, 09:00-17:00 Uhr
Zielgruppe: KFO und KFO-erfahrene Zahnärzte
Kursgebühr: 685,– €
Kursnummer: 0938.2
Punkte: 8+1+8+1 (Hands-on-Kurs)
Veranstaltungsort: Berlin
zur Anmeldung

Zurück