Curriculum CMD interdisziplinär – Ganzheitliche Funktionsdiagnostik und -therapie

Curriculum CMD interdisziplinär – Ganzheitliche Funktionsdiagnostik und -therapie

In den letzten Jahren ist die Funktionsdiagnostik und -therapie anspruchsvoller geworden. Es gibt ein zunehmendes Verständnis, dass die Kiefergelenksposition und die damit verbundene Okklusion Einflüssen aus dem Körper unterliegen.
Grundlage dieses Curriculums ist die Anatomie und die kraniomandibulare Funktion, um die Kraniomandibuläre Dysfunktion zu verstehen. Bereits zur Überlegung der Therapie sollten die Einflußfaktoren bewertet sein, um in die Therapieplanung mit einzufließen. In der Kursreihe werden die strukturellen, mentalen und viszeralen Einflüsse erläutert und Diagnosetechniken gezeigt und geübt. Die Einstellung der Kiefergelenke in die zentrische Kondylenposition unter Berücksichtigung der ermittelten Einflußfaktoren steht am Ende der Kursreihe.

Basiskurs CMD – Theorie und Diagnostik der Kraniomandibulären Dysfunktion (Dr. Diehl)
Die systematische Funktionsdiagnostik der Kraniomandibulären Dysfunktion wird, nach Wiederholung der Anatomie des Kiefergelenks und den umliegenden Strukturen, in Theorie und Praxis ausführlich dargestellt. Der Begriff Zentrik wird erläutert.
Im Mittelpunkt des Workshops steht neben dem „Kurzscreening nach Ahlers und Jakstat“ die Klinische Funktionsanalyse und die Manuelle Strukturanalyse.Auf der Grundlage der Erfassungsformulare der Deutschen Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie „Untersuchungsbogen Funktionsstatus 2012“ und „Untersuchungsbogen Manuelle Strukturanalyse 2012“ werden alle Untersuchungen erläutert und deren Hintergrund erklärt.
Alle Teilnehmer üben am Kurspartner und unter erfahrener Anleitung sämtliche diagnostischen Handgriffe.
Der Kurs richtet sich an Einsteiger und Kollegen, die ihr Basiswissen zum Kiefergelenk und seiner Funktion erweitern möchten. Der Schwerpunkt liegt zunächst auf der Kraniomandibulären Funktion, um die Kraniomandibuläre Dysfunktion zu verstehen.

Therapie der CMD – Schienentherapie und adjuvante Therapien (Dr. Diehl, Dr. Wiemann)
Die Deutsche Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie empfiehlt zur Behandlung der CMD nicht nur die Schienentherapie, sondern auch andere begleitende Maßnahmen im Rahmen der multidisziplinären Therapie.
Für die Therapie ist es entscheidend, ob es eine akute oder eine chronische CMD ist. Ziel der Therapie ist die Schmerzbeseitigung und die Optimierung der Unterkieferbewegungen.
Die Schienentherapie stellt die initiale zahnärztliche Standardmaßnahme dar. Okklusionsschienen haben sich klinisch bewährt und sind durch wissenschaftliche Untersuchungen anerkannt. Nicht jedes Knackgeräusch kann mit einer Schiene behandelt werden. Daher werden die Knackgeräusche wiederholt und die sich daraus ergebenen Verdachtsdiagnosen und Therapien besprochen. Kieferübungen werden demonstriert und zu den Diagnosen erläutert.In diesem Zusammenhang erfolgt eine Einführung in die MRT-Diagnostik des Kiefergelenks.
Die Therapie der chronischen CMD folgt anderen Gesetzmäßigkeiten. Hier gelten die Behandlungsgrundsätze für chronische Erkrankungen. Dieser Kurs gibt einen Überblick über die Unterschiede der akuten und der chronischen CMD und den entsprechenden Behandlungsgrundsätzen.
Die multidisziplinäre Therapie hat eine schnelle und hohe Effizienz, weil die strukturell-funktionellen Störungen an ihren verursachenden Einflüssen aufgelöst werden können.

Ganzheitliche CMD und strukturelle Einflüsse (Dr. Diehl, Dr. Janenz, K. Dams, S. Wedekind)
In diesem Kurs liegt der Schwerpunkt auf den strukturellen Einflüssen. Der menschliche Organismus funktioniert nach Bewegungs- und Haltungsmustern, an denen der gesamte Organismus beteiligt ist. Aus der Anamnese ergeben sich die Restriktionen u.a. ausgehend von operativen Eingriffen, Unfällen und Schwangerschaften.
Schwerpunkt ist die topographische Anatomie und die Faszien. Faszien sind ein omnipräsentes bindegewebiges Netzwerk, das den Körper räumlich organisiert, stützt, formt und zusammenhält, um die erstrebenswerten biologischen Prinzipien von Gleichgewicht, Komfort und Ökonomie zu erreichen. Das Nackenrezeptorfeld – auch subokzipitales Sinnesfeld genannt – vermittelt dem Hirnstamm die Relativstellung zwischen Kopf und Rumpf. Es zeichnet sich durch eine hohe Dichte an Rezeptoren aus. An der Propriozeption sind die Tiefensensibilität, sowie das Vestibularisorgan beteiligt. Die „zerviko-trigeminale Konvergenz“ ist die neuronale Verschaltung von Kiefergelenk und Halswirbelsäule und die anatomische Verbindung.
Narben und Restriktionen können im Sinne eines aszendierenden Einflusses die Kieferposition beeinflussen. Es ist dann zu eruieren, inwieweit es möglich ist diese Einflüsse zu neutralisieren oder ob die so bedingte habituelle Kieferposition akzeptiert werden sollte. Es gibt auch deszendierende Einflüsse. Es ist weiterhin bekannt, dass z.B. nach Entfernung der Weisheitszähne oder bei einer dysfunktionalen Okklusion eine CMD auftreten kann, welche deszendierende Symptome hervorrufen kann.
Katja Dams wird zum Thema Fasziale Ketten referieren. Dr. Uta Janenz wird zum Nackenrezeptorfeld und zur orthopädischen Diagnostik und Therapie referieren, Dr. Andrea Diehl zum Thema Einflußfaktor Okklusion und Körperhaltung.

CMD – Psyche – Stress (Dr. Diehl, Dr. Nickel, S. Kleinschmidt)
Die Anamnese und die Aufklärung über das Krankheitsbild CMD sind beim ersten Gespräch mit dem Patienten sehr wichtig. Es gibt strukturelle Einflüsse (z. B. Narben, Operationen, Unfälle, Schwangerschaften, Weisheitszahnentfernung), mentale Einflüsse (z. B. Stress, Trauma, psychologisches Störfeld) und stoffwechselassoziierte Einflüsse (z. B. Nahrungsmittelallergien, -unverträglichkeiten, Darmdysbiose). In diesem Kursteil liegt der Schwerpunkt auf den mentalen Einflußfaktoren.
Die Deutsche Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie (DGFDT) empfiehlt ein Psychosoziales Screening, darunter werden Tests auf psychische Co-Faktoren durchgeführt. Sie bieten eine Möglichkeit der Sensibilisierung für patientenspezifische Probleme im Rahmen der Primärdiagnostik. Dabei werden Screenings zur Beschwerdediagnostik und auf Psychosoziale Einflussfaktoren unterschieden. Zu beiden Bereichen werden die von der DGFDT empfohlenen Fragebögen vorgestellt und erläutert. Ferner wird der Anamnesebogen nach „Türp und Marinello“ vorgestellt.
Es werden die Unterschiede von Stress und Trauma mit ihren Symptomen aufgezeigt. Die stressbedingte CMD wird anders therapiert, als die traumaassoziierte CMD. Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) zeigt häufig chronische Verspannungen der Muskulatur und Nackenschmerzen. Das Krankheitsbild wird erörtert und es werden Therapieoptionen aufgezeigt.
Weitere Themen, die im Kurs besprochen werden, sind Stressmanagement und Entspannungstechniken (Jost Blomeyer), der Zusammenhang zwischen Emotionen und Körperspannung, die Emotionsregulation (Dr. Nickel), Diagnostik- und Therapiemethoden (Dr. Diehl).

Ganzheitliche CMD und viszerale Einflüsse (Dr. Diehl, B. Titze, B. Conte)
Die Therapie der chronischen CMD unterliegt den Behandlungsgrundsätzen für chronische Erkrankungen. Patienten mit chronischer CMD weisen mindestens ein weiteres Beschwerdebild auf.
Auch die Ernährung und die Verdauung hat einen Einfluss auf die Körperhaltung. Übergewicht, Nahrungsmittelallergie oder eine Darmdysbiose verändern die Körperhaltung und können somit die Kiefergelenkposition beeinflussen. Daher kann eine Darmsanierung oder die Aufdeckung einer Nahrungsmittelunverträglichkeit, als adjuvante Therapie, eine Unterstützung bei der Schmerztherapie sein. Die Applied Kinesiology bietet die Möglichkeit, einen Hinweis auf eine Darmdysbiose oder eine Nahrungsmittelallergie oder -unverträglicheit zu erhalten.
In diesem Kurs erfolgt Wiederholung und Zusammenführung der Schulmedizin und der Komplementärmedizin zu einem erfolgreichen Diagnostik- und Therapiekonzept. Im Vordergrund steht die Entwicklung eines erfolgreichen individuellen Behandlungskonzeptes zur Wiederherstellung der kraniomandibulären Funktion.

Die zentrische Kondylenposition – Manuelle Einstellung der Kiefergelenke in Zentrik (Dr. Diehl)
Die Deutsche Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie (DGFDT) definiert die zentrische Kondylenposition als kranio-ventrale, nicht seitenverschobene Position beider Kondylen bei physiologischer Belastung der beteiligten Gewebestrukturen.
Die Funktion eines Gelenks ist in erster Linie die Bewegung und Ausführung komplexer Bewegungsabläufe. Hierzu ist ein Zusammenspiel der muskulären, ligamentären und ossären Anteile des Gelenkes erforderlich. Die Bewegungsmuster, auch Bewegungsstereotyp genannt, sind Bewegungsabläufe, denen eine algorithmische Muskelaktivierung zugrunde liegt. Pathologische Bewegungsabläufe weichen davon ab. Die Bewegungen des Unterkiefers sind Kieferöffnung, Kieferschluss, Protrusion, Laterotrusion, die maximale Bewegungskapazität wurde von Posselt anhand der Grenzbewegung des unteren Inzisalpunktes beschrieben.
Die Positionierung der Kiefergelenke in die zentrische Kondylenposition wird in diesem Kurs gezeigt. Mittels Akupunktur und manueller und osteopathischer Techniken werden die Kiefergelenke in die zentrische Position bewegt. Bei diagnostizierter Diskrepanz zwischen zentrischer und habitueller Okklusion wird gezeigt, wie die Zentrik stabilisiert werden kann, z. B. durch Snap-on-Schienen, Tabletops oder Einschleifen. Die Therapie wird durch Kieferübungen unterstützt.

Kollegiales Abschlussgespräch

Übergabe der Zertifikate

Curriculum CMD interdisziplinär – Ganzheitliche Funktionsdiagnostik und -therapie

Moderatorin: Dr. med. dent. Andrea Diehl
Kursstart: Fr 14.01.2022, 12:00 – 18:00 Uhr (insgesamt 11 Termine)
Zielgruppe: Kurs für ZA
Kursgebühr: 2.390,– € oder 6 Raten à 417,– €
Punkte: 84+15